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Wiebke und Claudio trainieren zu Hause

Wenn die Kugeln durch den Garten fliegen

Not macht erfinderisch: Ein paar Holzpaletten und ein wenig handwerkliches Geschick, und schon kann Claudio Stoessel sein Training auch zu Hause fortführen – sozusagen im Home Office. Der Kugelstoßer vom SC Neubrandenburg ist wie seine Clubkollegen auch wegen der Corona-Pandemie aus dem normalen Trainingsalltag gerissen worden: Sportgymnasium zu, Trainingsstätten zu, Internat zu.
Seitdem trainiert der Schützling von Gerald Bergmann, der im Februar bei den Deutschen U20-Hallenmeisterschaften als Dritter mit persönlicher Bestweite (17,96 Meter) seine erste nationale Medaille gewonnen hatte, bei der Familie in Templin. Anfangs hielt sich der 17-Jährige noch auf dem Sportplatz fit, holte sich dafür die Erlaubnis des Schuldirektors. Dann wurden die Ausgangsbeschränkungen beschlossen, und guter Rat war teuer. „Wir sind dann aber schnell auf die Idee mit dem Kugelstoßring bei uns zu Hause gekommen“, erzählt Stoessel. Gemeinsam mit seinem Vater Sandro und Schwager Till zimmerte er die Anlage in eineinhalb Tagen zusammen. Sechs Holzpaletten, eine Holzplatte, ein paar Schrauben und fertig war die Kugelstoßanlage made by Stoessel. Den Kugelstoßbalken bekam der Nachwuchssportler vom SCN gestellt.
Inzwischen hat der SCN-Mann schon einige Trainingseinheiten hinter sich gebracht. Sein Fazit: „Auf der Anlage kann man wirklich gut trainieren.“ 30 bis 40 Mal pro Trainingseinheit fliegt die Kugel durch den Garten des heimischen Grundstücks. Wobei – so ganz stimmt das mit dem Garten nicht. Die Anlage ist unmittelbar hinter der Grundstücksgrenze aufgebaut, auf einem Feld, das einem Bekannten der Familie gehört. Dort darf Claudio Stoessel die Kugel nach Belieben fliegen lassen. Das sechs Kilogramm schwere Gerät hätte dem eigenen Rasen wohl irreparable Schäden zugefügt. „Das wäre nicht gut gewesen“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Auch seine Krafteinheiten kann der SCN-Athlet ohne Probleme zu Hause durchführen. Stoessels haben ebenso diverse Kraftanlagen gebaut, wie einen Kniebeuge-Ständer und eine Bankdrück-Vorrichtung. „Was fehlt, ist nur mein Trainer“, sagt Stoessel junior. Mit Gerald Bergmann ist er per Telefon ständig im Kontakt, schickt ihm Videos von den Stößen auf dem Feld: „Wir werten dann aus, was falsch war, was richtig.“
Der SCN-Sportler setzt auf die neue Hallensaison
Ob und wann er wieder Wettkämpfe bestreiten kann, darüber zerbricht sich der Kugelstoßer derzeit nicht den Kopf. „Momentan ist ja nichts sicher. Ich denke, dass es so richtig erst wieder zur Hallensaison losgehen wird.“
Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus hält der Sportgymnasiast, der seit 2016 in Neubrandenburg trainiert und im Internat lebt, indes für richtig. „Ich finde es gut, dass man schon relativ früh begonnen hat, Maßnahmen durchzusetzen. Jetzt müssen wir halt das Beste daraus machen.“
Für Claudio Stoessel hat die Krise schon etwas Gutes mit sich gebracht: „Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und das ist ein Geschenk für mich.“

Quelle: Nordkurier

Wiebke hält sich mit Trocken-Paddeln in Form

Wiebke Glamm hat Sehnsucht. Große Sehnsucht. Ihr fehlt das Wasser, der Oberbach, der Tollensesee, ihr Boot. Wie fast alle Sportler hat das Coronavirus auch die Kajakfahrerin vom SC Neubrandenburg voll ausgebremst. Seit dem 17. März ist die 18-Jährige zu Hause bei ihren Eltern, absolviert dort ihre Trainingseinheiten. Dort hat sie sich einen kleinen Sportraum eingerichtet und kann sogar Paddeln, wenn auch nur auf dem Trockenen. Der Sportclub hat ihr einen so genannten Paddelergometer zur Verfügung gestellt. „Ich bin froh, dass ich überhaupt paddeln kann“, sagt sie.
Wiebke Glamm gehört zu den hoffnungsvollsten Kanurennsportlern beim SCN, im vergangenen Jahr holte sie bei der Junioren-WM in Rumänien Silber im K4 über 500 Meter. In dieser Saison wollte der Schützling von Trainerin Lisa Schiffer an diesen Erfolg anknüpfen, die Weltmeisterschaft in Brandenburg im August war das große Saisonziel.Die WM und auch die Quali im April sind längst abgesagt. „Wir hoffen, dass es im September vielleicht noch den einen oder anderen Wettkampf geben wird“, sagt die Neubrandenburgerin.
Mit ihren Clubkolleginnen war sie gerade im Trainingslager in Frankreich, als das Coronavirus begann, die Welt anzuhalten. „Wir mussten frühzeitig abreisen. Das war am 13. März. Montag sind wir dann noch einmal auf dem See gepaddelt. Danach ist alles geschlossen worden“, erzählt Wiebke Glamm und fügt hinzu, dass anfangs bei ihr auch ein wenig Panik aufgekommen sei. „Ich habe alle Nachrichten geschaut und war schon etwas unruhig.“
Mittlerweile hat sich ihr Blick auf die Krise geweitet, die Sportgymnasiastin geht entspannter mit der Situation um. Und die SCN-Kanutin übt auch Kritik an den Maßnahmen in ihrer Stadt: „Laufen ist zum Beispiel erlaubt, aber Paddeln auf dem See nicht, das verstehe ich nicht.“
Geburtstagsparty fiel wegen der Krise aus
So muss sie ihr Trainingsprogramm weiter im Heim ihrer Eltern absolvieren. Bis zu drei Stunden täglich schwitzt sie für die sportlichen Aufgaben, die da vielleicht noch zu lösen sind. Motivationsprobleme kennt Wiebke Glamm nicht: „Man kann sich jetzt nicht hängen lassen. Außerdem mag ich den Sport, den ich ausübe, viel zu sehr.“ Als kleine Motivationshilfe haben die Trainer es inzwischen ermöglicht, dass die Mädchen und Jungen sich beim Home-Training via Skype sehen können: „Für das Gemeinschaftsgefühl ist das schon gut. Und die Trainer können so auch sehen, ob die Übungen richtig gemacht werden.“
Dennoch wünscht auch sie sich, ihr Programm so schnell wie möglich wieder im Trainingszentrum mit den anderen Kanuten absolvieren zu können: „Ich will nicht sagen, dass man vereinsamt, aber es ist eben etwas ganz anderes, den ganzen Tag zu Hause zu sein.“
Nachgeholt werden soll dann auch ihre Geburtstagfete. Am 21. März feierte Wiebke Glamm ihren 18. Geburtstag. Die geplante Party musste abgesagt werden.

Quelle Nordkurier

Glückselige SCN Kanuten: Endlich wieder auf dem Wasser - 25.April 2020

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